Benchmarking von Unternehmen nach ihrer Klimawirkung: vom Vergleich zur Handlung
Discover this blog post
Das Benchmarking von Corporate Carbon Footprints gehört zu den am häufigsten nachgefragten—und zugleich am häufigsten missverstandenen—Themen im Carbon Accounting. Unternehmen berechnen ihre Emissionen, erhalten eine Zahl in Tonnen CO₂e und stellen fast sofort dieselbe Frage: Ist das gut oder schlecht?
- Warum Benchmarking im Carbon Accounting immer wieder auftaucht
Sobald ein Unternehmen seinen Carbon Footprint berechnet hat, folgt meist eine vergleichende Frage: Wie stehen wir im Vergleich zu anderen da?
Diese Frage entsteht in unterschiedlichen Situationen. Manchmal geht es um Einordnung: zu verstehen, ob ein Footprint „hoch“ oder „niedrig“ ist. In anderen Fällen geht es um Positionierung, etwa für interne oder externe Kommunikation. Häufig wird Benchmarking sogar noch früher genutzt, bevor ein vollständiger Footprint vorliegt, um abzuschätzen, wie ein „typisches“ Emissionsprofil aussieht und welche Scopes oder Aktivitäten voraussichtlich wesentlich sind.
Diese Motive sind legitim. Carbon Footprints sind abstrakte Zahlen ohne Kontext, und Vergleich ist ein natürlicher Weg, Bedeutung herzustellen. Das Risiko besteht jedoch darin, Benchmarking als einfache Nachschlageübung zu behandeln, obwohl es in Wirklichkeit sorgfältige methodische Entscheidungen erfordert.
- Warum Benchmarks über einzelne Unternehmen hinaus relevant sind
Benchmarking dient nicht nur der Interpretation, sondern beeinflusst auch das Verhalten. Umfangreiche Forschung zeigt, dass Organisationen eher Nachhaltigkeitsmaßnahmen ergreifen, wenn sie sich mit vergleichbaren Peers messen können.
Dieser sogenannte „Peer-Effekt“ zeigt sich in vielen Bereichen, von nachhaltigen Investitionen bis hin zu Technologieeinführung und Energieeffizienz. Der Mechanismus ist konsistent: Das Beobachten vergleichbarer Organisationen reduziert Unsicherheit darüber, was erwartet und machbar ist. Nachhaltiges Handeln wird zur Norm.
Im unternehmerischen Klimakontext helfen Benchmarks, abstrakte Klimaziele in sozial verankerte Referenzpunkte zu übersetzen. Sie prägen, wie ambitioniert sich ein Unternehmen einschätzt und welcher Aufwand als angemessen gilt. Das macht Benchmarking wirkungsvoll, erfordert aber einen verantwortungsvollen Umgang.
- Was ein sinnvolles Benchmark ausmacht
Nicht jedes Benchmark ist gleich hilfreich. In der Praxis entscheiden vier Kriterien darüber, ob ein Benchmark Mehrwert schafft oder Verwirrung stiftet.
Relevanz ist der Ausgangspunkt. Vergleiche sind nur sinnvoll, wenn Unternehmen ausreichend ähnlich sind. Branchenunterschiede prägen Emissionsprofile stark, während auch Region und Berichtsjahr aufgrund von Energiemix und Dekarbonisierungstrends eine Rolle spielen.
Skalierung und Normalisierung sind unvermeidliche Herausforderungen. Größere Unternehmen verursachen absolut mehr Emissionen, doch Emissionen wachsen nicht linear mit der Größe. Umsatz und Vollzeitäquivalente sind gängige Normalisierungsgrößen, jeweils mit Einschränkungen. Ein erheblicher Teil der Unterschiede zwischen Unternehmen lässt sich jedoch nicht allein durch Größe erklären—und genau darin liegt der Wert von Benchmarking.
Verteilungen sind wichtiger als Durchschnittswerte. Carbon Footprints weisen typischerweise schiefe Verteilungen mit langen Ausläufern auf. Durchschnittswerte verschleiern diese Struktur. Zu wissen, ob ein Unternehmen nahe dem Median liegt, zu den emissionsarmen gehört oder im Hoch-Emissions-Bereich liegt, ist deutlich aussagekräftiger als ein einzelner Referenzwert.
Vollständigkeit, insbesondere bei Scope 3, ist eine zentrale Einschränkung. Viele Unternehmen berichten nur teilweise über Scope-3-Emissionen oder schließen Kategorien aus. Der Vergleich unvollständiger mit vollständigen Footprints verzerrt Ergebnisse. Benchmarks müssen mindestens klar zwischen vollständigen und unvollständigen Daten unterscheiden.
Letztlich ist ein Benchmark nur dann sinnvoll, wenn es handlungsorientiert ist—wenn es hilft zu erkennen, wo ein Unternehmen im Vergleich zu Peers besonders abweicht und wo Minderungsmaßnahmen den größten Effekt haben.
- Vom Vergleich zur Priorisierung
Richtig eingesetzt unterstützt Benchmarking die Priorisierung statt die Bewertung. Durch die Einordnung eines Unternehmens in Perzentilverteilungen über verschiedene Scopes hinweg wird sichtbar, wo Emissionen relativ hoch oder niedrig sind.
Ein Unternehmen kann beispielsweise im Scope 1 nahe am Median liegen, im Scope 2 oder 3 jedoch deutlich auffallen. Das erklärt nicht warum Emissionen hoch sind, liefert aber ein strukturiertes Signal, wo vertiefte Analysen und Maßnahmenplanung ansetzen sollten.
Benchmarking ersetzt keine detaillierte, unternehmensspezifische Analyse. Es berücksichtigt weder Geschäftsmodelle noch strategische Zwänge oder historische Investitionen. Was es bietet, ist Kontext: eine Grundlage zur Interpretation von Zahlen und zum Lernen aus Mustern vergleichbarer Organisationen.
Für Nachhaltigkeitsberater besteht die Rolle von Benchmarking daher nicht darin, Rankings zu erstellen, sondern fundierte Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Als Entscheidungsunterstützung—nicht als Scorecard—hilft Benchmarking Unternehmen, vom Vergleich zur Handlung zu gelangen.
Über Carbon+Alt+Delete
Wir bieten Software für die CO₂-Bilanzierung an, die Nachhaltigkeitsberatungen und Consultants unterstützen, Unternehmen auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel zu begleiten.
Interesse daran, zu erfahren, wie unsere Software Ihre CO₂-Bilanzierungsdienstleistungen verbessern kann?
Fühlen Sie sich frei, uns unter [email protected] zu kontaktieren, oder buchen Sie ein Meeting, um mit einem unserer Experten zu sprechen.
